99Künstler

Gesichter hinter der Kunst

Die Künstler


99 Künstler - Thomas Gatzemeier, Maler und Schriftsteller - Leipzig und Karlsruhe

09.08.2014

Thomas Gatzemeier

*1954 in Döbeln, lebt und arbeitet in Leipzig und Karlsruhe

Himmel & Leib oder das Ende der Diktatur der Abstraktion

Nach einer Ausbildung zum Schrift- und Plakatmaler studierte Thomas Gatzemeier Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig bei Arno Rink und Volker Stelzmann. Sein Studium an der HGB, an der unter anderem auch später Neo Rauch studierte, beendet Thomas Gatzemeier 1980. Nach Auseinandersetzungen mit den Machthabern, die für den Künstler mit einem Ausstellungsverbot endeten, verließ Thomas Gatzemeier 1986 die DDR. Nach 1989 hielt sich der Künstler wieder zu Arbeitsaufenthalten in Leipzig auf, wo er von 2006 bis 2015 auch ein Atelier sowie einen Wohnsitz besaß. Vorwiegend lebt und arbeitet Thomas Gatzemeier jedoch als Maler, Bildhauer und Schriftsteller in Karlsruhe. Mittlerweile befinden sich zahlreiche Werke von Thomas Gatzemeier in renommierten Sammlungen des In- und Auslandes.

Stilistisch nicht gebunden, sind Antrieb und Thema seines malerisches Werkes trotz früherer, abstrakter Werkphasen Figur und Körper, vorwiegend die Darstellung des weiblichen Körpers. So klären sich zum Ende der neunziger Jahre die meist dunklen, ekstatisch auftürmenden und brodelnden Farbfelder zu lichten Himmelsräumen auf. Aus doppeldeutigen Untergründen schälen sich nun Figuren auf ausgeleuchteten Bildbühnen der Renaissance, des Manierismus und des Barock heraus. So beschäftigte sich Thomas Gatzemeier intensiv mit den Zeichnungen des Manieristen Pontormo und entwickelte an Hand zahlreicher Modellstudien Kompositionen von verschlungenen, zum Teil im Raum freischwebenden Leibern, die in eindringlicher Form ein Gefühl des Losgelöstseins von allem Irdischen vermitteln. Impulsgeber war der Auftrag für ein Altarbild im Jahre 2002. Im hohenlohischen Crailsheim-Onolzheim schuf der Künstler ein außergewöhnliches Altarbild von über 60 qm. Im Motiv einer Auferstehung erobern sich hier an die siebzig nackte Leiber den Himmelsraum. War diese Altarbild anfangs noch heftig umstritten, ist es heute eines der meistbesuchten zeitgenössischen Kunstwerke im kirchlichen Raum.

Seit einigen Jahren wendet sich Thomas Gatzemeier auch der Literatur zu. 2010 erschien der bereits 1983 begonnene Roman "Der Sekretär". Danach gab er mit "Der Uneinsichtige" einen schmalen Band mit Erzählungen heraus. Im Jahr 2012 folgte dann der Roman "Morgen, morgen wird alles zum guten Ende kommen". Auch das schriftstellerische Werk des Thomas Gatzemeier ist wie seine Malerei geprägt von Realismus und Detailreichtum. Und letztendlich versteht der Künstler das Schreiben als eine "Malerei mit anderen Mitteln" - als eine Doppelnatur aus Begrenzung und Entgrenzung, die es für ihn in seiner Kunst zu vereinigen gilt.

[www.thomas-gatzemeier.de]


Zurück zur Übersicht

ˆ