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99 Künstler | Künstlerportät Deutschland - Arvid Boecker, Maler aus Heidelberg

28.09.2019

Arvid Boecker

*1964 in Wuppertal, lebt und arbeitet in Heidelberg

# 1107

Bereits mit siebzehn Jahren begann Arvid Boecker sich mit Malerei zu beschäftigen. Dennoch studierte er zunächst von 1987 bis 1989 an der Universität Trier Kunstgeschichte und Betriebswirtschaftslehre, bevor er 1989 als 25-jähriger das Studium der freien Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken aufnahm. Hier studierte Arvid Boecker bei dem aus der Konkreten Kunst kommenden Maler Bodo Baumgarten sowie dem Konzeptkünstler Jochen Gerz und der Video- und Performance-Künstlerin Ulrike Rosenbach - drei ebenso bedeutende wie unterschiedliche Künstler, die den Maler nachhaltig prägten. Doch Arvid Boecker ist nicht nur Künstler, sondern auch leidenschaftlicher Sammler. Das Besondere an seiner Tätigkeit als Sammler ist, dass er keine Arbeiten kauft, sondern ausschließlich mit anderen Künstlern, deren Arbeit er schätzt, weltweit tauscht. So ist eine Sammlung mit Arbeiten aus dem bereich des Minimal- und Reduced Painting entstanden, die einen außergewöhnlichen Einblick in die Arbeit von Künstlern ermöglicht, die nach ähnlichen Maßstäben wie Arvid Boecker arbeiten. Mit seinem Kunstraum "Boeckercontemporary" betreibt er zudem in seiner Wahlheimat Heidelberg einen nicht kommerziellen Ausstellungsraum, in dem Arbeiten von Künstlern aus seinem weltweiten Netzwerk zu sehen sind.

Die Einheit von Farbe und Raum sowie die Vereinfachung von Formen sind die Kernthemen des Malers Arvid Boecker. Seine Kunst läßt sich der Farbfeldmalerei zuordnen. Eine Kunstrichtung, die sich 1950 aus dem Abstrakten Expressionismus heraus entwickelt hat und sich vor allem durch großflächige, homogen gefüllte Farbfelder auszeichnet. Bei Arvid Boecker sind die durchweg mit Raute und Nummer betitelten Farbfeld-Kompositionen wiederkehrend in zwei vertikal ausgerichtete Farbfelder unterteilt, die in aufwendigen und langwierigen Arbeitsprozessen entstehen. So können bis zu vierzig Schichten Ölfarbe übereinander liegen, die bis zu mehreren Wochen brauchen, bis die Farben durchgetrocknet sind. Die Arbeiten des Künstlers lassen durchaus Assoziationen zu Landschaften entstehen - eine Verknüpfung, die Arvid Boecker selbst unbedingt vermeiden möchte. So, wie er überhaupt konsequent jede konkrete Darstellung vermeidet. Denn seine Bilder sind reine Malerei, abstrakt und ohne Bezug zu irgendetwas, das über die Malerei sowie die Wirkung von Farbe und Fläche hinausgeht.

Der Farbe auf den Grund zu gehen, das ist ein Kernthema für den Maler Arvid Boecker. So brauchen seine Bilder ihre Zeit, um zu wachsen. Die Frage, wann ein Bild entsteht, das mehr als nur Farbe ist, zieht sich durch alle seine Arbeiten. So werden die Farben innerhalb der scharfen Grenzen seiner Bildräume geradezu forschend nach einem bestimmten Plan aufgetragen und durch die strenge Struktur Beliebigkeiten vermieden. Dennoch arbeitet Arvid Boecker aus purer Lust mit dem Material Farbe, gleichsam als Gegenkraft und zugleich als Antrieb hinter seiner Arbeit, um ihre Kräfte im Prozess des Wachstums zu bändigen und zu formen.

[www.arvid-boecker.de]


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